Fehleranalyse im Golfsport

Ist es Ihnen auch schon oft so gegangen, dass Ihr Schwunggefühl an einem Tag problemlos funktioniert und sich am nächsten Tag einfach nicht einstellen will? Sie überlegen nach Ihren Fehlschlägen, wo die Ursache für das Abdriften des Balles liegt und Ihr Schlag wir noch schlechter? Man hat dann das Gefühl, dass die menschliche Motorik offenbar einen „Fehlergenerator“ mit geradezu unbegrenztem Einfallsreichtum hat. Dabei gehört die Golfbewegung eigentlich zu den einfacheren sportlichen Koordinationsabläufen verglichen mit Diskuswurf, Stabhochsprung oder Pferdepolo.

Die Probleme beim Golfschlag entstehen in der Regel dadurch, dass der Anfänger eine falsche Vorstellung vom Bewegungsablauf hat, ihm aber trotzdem hin und wieder passable Schläge gelingen. So kommt es oft zu Fehlinterpretationen von großen und kleinen Fehlern, die dann prompt falsch „korrigiert“ werden. In diesem Prozess verirrt sich der unerfahrene Golfspieler schnell in einem Labyrinth von Abweichungen, die einander bedingen, verschlimmern und verfestigen.

Die sichtbaren Symptome bei Fehlschlägen auf dem Golfplatz zeigen jeweils nur die Spitze des Eisbergs der wirklichen Ursachen für die Probleme. Hobbygolfer benötigen daher, wenn Sie wirklich weiter kommen wollen, die Hilfe eines erfahrenen Trainers, der eine Analyse, analog eines Mediziners bei Krankheit, vornimmt. Der „Golfdoktor“ wird sich zunächst ansehen, wie die Flugkurven Ihrer Bälle verlaufen und wie der Schwungablauf aussieht. Im Einzelnen werden die Schwung-Dynamik, d.h. die Beschleunigung des Schlägers und die Schwung-Geometrie (Griff, Stand, Armhaltung, Unterkörperbewegung) untersucht.

Aus den Erkenntnissen kann der Trainer dann schließen, was wirklich beim Treffzeitpunkt passiert und was gegenüber einer Idealbewegung nicht stimmt. Mithilfe einer Videodokumentation kann dem Schüler ein objektives Bild von seiner Bewegung gezeigt werden. Wichtig neben diesen objektiven Kriterien ist aber auch das subjektive Empfinden des Golfers. Die Berücksichtigung seines Schwunggefühls, seine psychologischen Reaktionen und die entsprechende Gegenregulation sind elementar.

Ein geschulter Trainer bezieht auch tiefere Ursachen für regelmäßig wiederkehrende Fehlschläge mit ein. So sind es häufig psychologische Gründe, die zu Hemmungen beim eigentlich flüssigen Bewegungsablauf führen. Eine negative Programmierung oder Angst vor dem Fehler können dabei die wahren Triebfedern für den Misserfolg sein.

Durch die Anleitung eines Pros wird der Golfanfänger lernen mit den Fehlschlägen zu leben, sie als normal zu betrachten und die richtigen Schlüsse aus den Abweichungen vom Idealbild zu ziehen. Nehmen Sie mit Ihrem Trainer je nach Ihren Fehlern Einzelkorrekturen vor und konzentrieren Sie sich auf den Treffzeitpunkt. Machen Sie nicht den Fehler, nach verzogenen und zu kurzen Schlägen mit erhöhtem Kraftaufwand Kontrolle und Länge zu kompensieren. Dabei würden Sie nur weiter verkrampfen und ihr Spiel verschlechtern. Akzeptieren Sie in Situationen, wo Ihnen das Schwunggefühl abhanden gekommen ist, eine geringere Schlaglänge. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie den Ball sauber treffen, wählen Sie besser ein langes Eisen als ein Holz.

Es kann sogar von Vorteil sein, den Rückschwung zu verlangsamen und den Krafteinsatz bewusst zu reduzieren. Damit wird es Ihnen leichter fallen, Ihren flüssigen Gesamtschwung wieder hinzubekommen.

Konzentrieren Sie sich auf Ihren Score und versuchen Sie auch bei unsauber getroffenen Bällen das Ziel einigermaßen ungeschoren zu erreichen. Denken Sie nicht über semioptimale Schläge nach. Bei den nächsten Löchern werden Sie stetig mehr Zutrauen gewinnen.

Nach der Fehleranalyse und entsprechenden Gegenmaßnahmen wird Ihr Schwunggefühl immer selbstverständlicher werden und Sie werden das Idealbild besser verinnerlichen können. Wenn Sie wissen woran Ihr Schwung krankt, wird auch die Streuung Ihres „Fehlergenerators“ kontinuierlich abnehmen.