Golfkinästhetik

Kinästhetisches Golftraining

Möchte man den Golfsport richtig erlernen, muss mans sich mit unterschiedlichen Lernmethoden und Lehrmodellen auseinandersetzen. Die Wahl für die "richtige" Methode ist besonders am Anfang schwer. Im Vordergrund stehen dabei Fragen wie: "Wie funktioniert die Bewegungssteuerung beim Golfspiel", "Ist es sinnvoll zuerst nur die Technik zu erlernen, oder lernt man das automatisch während dem Spiel"? Kinästhetik ist die Fähigkeit, Kraft-, Raum- und Spannungsverhältnisse der eigenen Bewegung wahrzunehmen.

Physiologische Grundlagen

Das menschliche Informationssystem setzt sich aus insgesamt 5 Subsystemen zusammen. Dieses System unterteilt sich in ein äußeres und ein inneres Informationssystem.

Äußeres Informationssystem
  • Visueller Analysator (sehen)
  • Akustischer Analysator (hören)
  • Taktiler Analysator (fühlen)
Inneres Informationssystem
  • Vestibulärer Analysator (Gleichgewicht)
  • Kinästhetischer Analysator (Bewegungsempfinden)

Kinästhetische Wahrnehmung für das motorische Lernen

Das sensorische System liefert Informationen über eine Bewegung. Es ermöglicht uns eine Bewegung überhaupt wahrzunehmen und diese im weiteren Verlauf auch zu automatisieren. Das kinästhetische Training oder besser die Verbesserung der kinästhetischen Informationsaufnahme und -verarbeitung fällt eindeutig in den Bereich des Techniktrainings. Ziel der Erlernung einer Technik ist es, allgemeine Bewegungsfertigkeiten als Technik zu erlernen, zu stabilisieren und zu automatisieren. Bei der Wahrnehmung der eigenen Bewegung steht das "Fühlen und Erleben" der eigentlichen Bewegung im Mittelpunkt. Die Kinästhetik stellt somit eine wesentliche Bedingung für jeden Bewegungsablauf dar.

Wie erlernt man die komplexe Bewegung des Golfschwungs?

Die Entwicklung der Bewegungskoordination beim Golfschwung findet auf der Grundlage von Training und Erfahrung statt. Üben bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, dass permanent die gleichen Bewegungen einfach wiederholt werden, sondern das aktive Finden eines Lösungsweges für einen Bewegungsablauf. Das stupide Wiederholen einer Bewegung brigt die Gefahr in sich, ein falsches Bewegungsmuster einzuschleifen. Das Ziel ist es, einen sorgfältigen Bewegungsablauf zu erreichen und diesen auch langfristig zu festigen.

Der Golfschwung an sich findet zwar auf der Stelle statt, jedoch müssen Beine, Rumpf und Arme für einen erfolgreichen Schwung auch miteinander kombiniert werden. Wichtig für diesen Ablauf ist das optimale Timing der beteiligten Muskeln. Auch die räumliche Präzision spielt eine große Rolle. Da es sich um eine mehrdimensionale Bewegung handelt, ist ein hoher Grad an Präzision erforderlich. Was nutzt ein schön ausgeführter Golfschwung, wenn der Ball letztendlich verfehlt wird?

Auch äußere Einflüße wirken sich auf die Bewegung und den Bewegungsablauf aus. Ein Golfer muss auch fähig sein, sich auf die wechselnden Bedingungen einzustellen. Der Ball kann auf dem Grün, im Rough, Bunker oder auch im Wasser liegen. Auch die Wetterverhältnisse wirken sich auf die Flugbahn des Balls aus. Auch Leistungsdruck bei Turnieren können ebenfalls das Gelingen eines Golfschwungs beeinflussen.

Ziele des kinästhetischen Trainings
  • Erhöhung der Sensibilität der beteiligten Rezeptorsysteme
  • Verbesserung der Selbstwahrnehmung
  • Bewusstmachung der Bewegungen
Kinästhetisches Training für Golfanfänger
  • Gleichgewichtsschulung
  • Körperwahrnehmung im Raum
  • Wahrnehmung aktiver und passiver Kräfte

Übungsbeispiele

Gleichgewicht

Gewichtsverlagerung rechts und links auf einem Schaumstoffstück mit geschlossenen Augen: Schiebe Deinen Körperschwerpunkt vom rechten Bein auf das linke und zurück. Verliere dabei auf dem Schaumstoffstück nicht das Gleichgewicht! Halte die Balance! Beachte dabei, dass Du nicht nur den Oberkörper zur Seite neigst, sondern den ganzen Körper seitlich verschiebst. Der Rumpf bleibt aufrecht! Halte die Augen geschlossen.

Körperwahrnehmung im Raum

Mit dem Schlägerkopf verschiedene Positionen anzeigen: Nehmt mit geschlossenen Augen die Ansprechposition ein. Euer Partner gibt Euch eine Schlägerkopfposition vor, die Ihr einnehmen sollt (Weite der Ausholbewegung). Als Hilfe stellt Euch eine Uhr vor und zeigt eine bestimmte Uhrzeit an (10 Uhr, 8 Uhr, 2 Uhr...). Im Anschluss wird gewechselt. 

Wahrnehmung aktiver und passiver Kräfte

Stab mit geschlossenen Augen und lockeren Griff schwingen: Halte den Stab so locker in der Hand, dass er beim Schwingen gerade nicht herausrutscht. Schwinge den Stab mit weichen Handschuhen. Achte bei allen Übungen auf die Kraft, die durch das Schwingen am Stab zieht. Die Augen sind geschlossen.