Das Backspin-Geheimnis

Haben Sie den Profis auch schon oft fasziniert zugesehen, wenn sie den Ball nach einem satten Schlag auf das Grün zurück in Richtung Fahne rollen ließen? Ist dies die Magie einer Gruppe von Eingeweihten oder beruht ein solcher Schlag auf den normalen Gesetzmäßigkeiten der Physik? Umstritten ist auch, ob ein Ball mit enormen Rückwärtsdrall überhaupt in das Repertoire eines Durchschnittsgolfers gehört. Die meisten Golfanfänger und auch Fortgeschrittenen haben in der Regel schon Probleme die notwendige Länge in ihre Schläge zu bekommen.

Wer aber dem Geheimnis nach dem zurückrollenden Ball nachspüren möchte, muss zunächst einige Vorbedingungen beachten. Physikalisch lässt sich der Drall ebenso wie beim Tennis und Tischtennis erreichen, indem man den Ball durch einen Treffpunkt unterhalb der Ballmitte mit einem geöffneten Schläger trifft. Durch die Reibung von Schläger, der unterhalb des Spielgeräts hindurch schwingt, und Ball kommt die Rotation zustande. In der Regel haben die meisten sauber getroffenen Golfschläge diese Wirkung auf den Ball, jedoch ist der Spin nicht stark genug, damit sich der Rückwärtsdrall auch am Ende der Flugbahn und nach Auftreffen auf dem Platz noch bemerkbar macht.

Um den enormen Spin (rund 10.000 Umdrehungen pro Minute) auf den Ball zu bringen sollten Sie zum einen Schläger mit großem Neigungswinkel, wie zum Beispiel ein Sand-Wedge benutzen. Zum anderen ist ein Ball mit einer weichen Außenschale von Vorteil, weil sich so die Reibung besser auf das Spielgerät überträgt. Wichtig ist auch, dass die Schlagfläche des Schlägers sauber ist und die Rillen auf dem Schlägerblatt intakt sind. Von Vorteil sind auch Gegenwind und eine Landefläche die in Spielrichtung leicht ansteigt. Das Fairway sollte möglichst kurz geschoren sein, damit Sie ohne Reibungsverlust gut unter den Ball kommen. Den größten Erfolg für einen Rückläufer haben Sie bei einem weichen aber schnellen Green.

Der Schlag muss voll ausgeführt werden, damit die notwendige Schlägerkopfgeschwindigkeit erreicht wird. Hierbei ist wichtig, dass die Schlagfläche rechtwinklig auf den Ball in Zielrichtung trifft. Ansonsten schneidet man den Ball an und er fliegt eine seitliche Kurve. Je weiter die Kraftrichtungs-Linie nach vertikalem Eintreffwinkel am Schwerpunkt des Balles vorbeiläuft, desto mehr Backspin entsteht. Je höher die Schlägerkopfgeschwindigkeit ist, umso mehr Drall bekommt der Ball. Je größer der Eintreffwinkel des Schlägerkopfes bei gleichem Loft ist, umso stärker ist der Rückwärtsdrall.

Sie können den Schlag am Besten aus einem Bunker üben mit einer Entfernung zum Loch von rund 80 Metern. Der Kontakt mit dem Ball sollte möglichst sauber sein und auf jeden Fall vor dem Berühren des Sands. Stellen Sie sich in Ausgangsposition mittig vor den Ball. 60 bis 70 Prozent Ihres Gewichts ruht auf dem linken Fuß. Öffnen Sie die Schlägerfläche leicht damit Sie besser unter den Ball kommen. Ihr Schwung ist steiler als normal. Das verleiht dem Schlag einen längeren Ballkontakt und gibt noch mehr Backspin.

Rollt Ihr Ball nach dem Auftreffen auf das Green ein zwei Meter und tanzt dann einige Meter zurück in die Gegenrichtung zur Fahne, dann gehören auch Sie zum Kreis der Eingeweihten und haben das Geheimnis gelüftet.