Vorsicht Wettkampfstress

Sie kennen die Situation sicherlich auch: im Training und im privaten Spiel klappen ihre Schläge und Sie erreichen oder unterbieten in der Regel Ihren Platzstandard. Doch wenn es bei Turnieren ernst wird, will der Ball einfach nicht so, wie Sie es wollen. Woran mag das liegen, werden Sie sich vielleicht schon gefragt haben? Denn eigentlich haben die Mitspieler mit Ihrem Spiel nichts zu tun. Anders als beim Tennis oder bei Kampfsportarten kann ihnen der Gegner nicht in die Parade fahren. Beim Golf sind Sie allein für Ihre Schläge verantwortlich. Dennoch führt die Wettkampfsituation bei vielen Spielern zu einer zusätzlichen psychologischen Belastung.

Dies gilt sowohl für das Zählspiel, bei dem die Scores an den Löchern aufaddiert werden, und insbesondere für das Lochwettspiel, bei dem jedes Loch einzeln gewertet wird. Für beide Varianten gilt gleichermaßen, dass Sie lernen sollten sich ausschließlich auf Ihre Schläge zu konzentrieren. Denken Sie immer daran, die Qualität Ihres eigenen Spiels ist vollkommen unabhängig davon, ob ein anderer seinen Drive sehr weit schlägt, sich gut an das Loch annähert oder schnell einlocht. Wenn Ihr Mitspieler ein Birdie spielt, so ist Ihr Par deswegen nicht schlecht. Andersherum wird Ihre 8 nicht aufgewertet, wenn Ihr Gegner eine 10 spielt.

Während eines Wettbewerbs werden Sie im Hintergrund stets persönliche Eitelkeiten spüren und das kann eine Hypothek für Ihr Spiel sein. Gute Spieler nutzen diese psychologische Lage, um diese mehr oder weniger unterschwelligen Empfindungen in positive Aggressivität umzusetzen. Für viele Golfanfänger wirkt aber allein die Empfindung eines Spannungsverhältnisses eher belastend und kann für das eigene Schwunggefühl hemmend sein. Diese Spieler sollten versuchen, die Existenz des Mitbewerbers zu verdrängen.

Beim Lochwettspiel sind die gefühlsbezogenen Aspekte gegenüber dem Gegner noch stärker ausgeprägt, da es hier zum direkten Vergleich mit dem Mitspieler pro Loch kommt. Die taktischen Überlegungen müssen hier im Gegensatz zum Zählspiel anders sein, weil es darauf ankommt, die Löcher zu gewinnen oder zumindest einen drohenden Lochverlust zu vermeiden. Durch eine mehr oder weniger strenge Auslegung von Regeln, wie zum Beispiel durch Schenken von Putts, kann der Gegner zunächst in Sicherheit gewiegt und später bei härterer Auslegung umso mehr verunsichert werden.

Dennoch ist, ebenso wie beim Zählspiel, ein gleichmäßiges Durchziehen der eigenen Spielweise auch unabhängig vom Spielstand von Vorteil. Auch wenn Sie zwei oder drei Löcher zurückliegen, machen Sie nicht den Fehler den Rückstand am nächsten Loch mit der Brechstange aufholen zu wollen. Durch Risikoschläge und übermotivierte Drives schaden Sie Ihrem Spiel. Nutzen Sie erst Ihre Chance, wenn sie sich Ihnen bietet. Verwenden Sie im Wettkampf noch mehr Sorgfalt auf Ihre Annäherungsschläge als im Training. Lassen Sie auch bei einer komfortablen Führung nicht nach, dies kann schnell zu Konzentrationsproblemen führen.  Versuchen Sie ebenso schlechte Resultate an den ersten Löchern zu vergessen, es gibt genügend Beispiele für spätere Sieger, die ihre Runde katastrophal begonnen haben.

Gerade wenn Sie einen schlechten Tag erwischt haben, ist es wichtig das Beste aus sich herauszuholen. Dann erweist sich, wie gut Ihre Fähigkeit zur Konzentration und Fokussierung auf das Spiel ausgebildet ist.

Am Ende ist während eines Turniertages nur eines entscheidend: Ihre Schlagzahl auf dem Platz. Lassen Sie sich also weder von Organisation, Mitspielern und deren Spiel noch vom Wetter ablenken.