Wahrscheinlichkeitsrechnung auf dem Golfplatz

Die Berechnung von Wahrscheinlichkeiten war manchen in der Schulzeit eine viel zu theoretische Angelegenheit. Auf dem Golfplatz aber kann das Wissen um die möglichen Erfolgsaussichten gewinnbringende Realität werden. Viele Golfer kümmern sich trotz der immensen Bedeutung bislang wenig um die Relation von Vorteil und Risiko.

Bei den taktischen Entscheidungen von Golfern mit Handicap handelt es sich dabei überwiegend um Fragen der Wahrscheinlichkeit unter den gegensätzlichen Aspekten des Risikos und des möglichen Erfolgs. Wenn Sie also mit einem Ball im Rough liegen und die Wahl haben, die Kugel seitlich auf die Spielbahn zurückzuspielen oder einem Schlag Richtung Fahne über Bäume und unwegsames Gelände zu wagen, werden Sie die Vorteile auf der einen Seite und das höhere Risiko auf der anderen Seite gegeneinander abwägen müssen.

Es stellt sich also stets die Frage, was passiert, wenn mein Schlag nicht so gelingt, wie geplant? Welche Konsequenzen könnten sich aus dem geplanten Schlag ergeben? Bringt die beabsichtigte riskante Aktion überhaupt einen Vorteil im Gegensatz zu einem konservativeren Vorgehen? Der mit dem höheren Risiko behaftete Schlag sollte, sofern er gelingt, Ihnen mindestens die Einsparung eines vollen Schlages garantieren oder zumindest sehr wahrscheinlich machen. Wenn Sie beispielsweise mit dem Risiko-Schlag das Grün nicht erreichen können, macht es für das Endergebnis des Loches meist keinen Unterschied, ob Sie die Fahne aus 50 oder 100 Metern anspielen.

Natürlich ist die Höhe des abzuschätzenden Risikos für den geplanten Schlag jeweils abhängig von Ihren technischen Möglichkeiten und Ihrer momentanen Tagesform. Jede Aktion wird zudem nicht nur von den objektiven Bedingungen, wie der Spielbahn, dem Wetter oder Schwierigkeitsgrad des bevorstehenden Schlages beeinflusst, sondern auch maßgeblich von Ihrer emotionalen Beteiligung.

Wann Sie mutig und wann Sie vorsichtig spielen, ist daher eine Frage, die Sie zunächst verstandesmäßig angehen sollten und überlegen, was im besten Fall und im schlechtesten Fall passieren kann. Im Anschluss sollten Sie Ihren Instinkt mit einbeziehen und das Risiko der jeweiligen Alternativen abwägen. Die Qualität Ihres Spiels wird steigen, wenn Sie die statistische Häufigkeit von gelungenen Schlägen erhöhen können. Sie also riskant spielen, wenn es Ihnen wirklich einen Vorteil bringt und Sie das Zutrauen dazu haben, aber vorsichtig vorgehen, wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Fehlschlag mit unschönen Konsequenzen sehr hoch ist oder Ihnen der gewagtere Weg keinen Vorteil bringt. Wie in der Schule muss man daher auch beim Golf nach und nach lernen, wie man die besten Ergebnisse erzielt.