Sinn der Golfregeln

Sie haben sich sicher auch schon ab und an über Ihren Flightpartner und dessen Regelauslegung geärgert, oder? War Ihr Abschlag nun ein Probeschwung oder ein Luftschlag? Hat sich der Ball nach dem Ansprechen einen Millimeter bewegt oder nicht? Tritt Ihr Mitspieler regelmäßig das Gras vor seinem Ball platt, ohne dafür einen Strafschlag zu akzeptieren? Und hassen Sie auch Spielpartner, die Ihnen mit ihren Ratschlägen auf die Nerven gehen?

Es gibt nur 34 Regeln, aber die haben es in sich. Nur wenige sind so regelkundig, dass sie bei den vielfältigen Situationen immer die richtige Lösung wissen. Alle vier Jahre werden zudem die Golfregeln vom Royal and Ancient Golfclub of St. Andrews und der United States Golf Association überdacht. Auch das ursprüngliche Regelwerk stammt vom ältesten Golfclub der Welt, der schon 1754 gegründet wurde.

Seitdem diese Regeln existieren wird schon über deren Auslegung auf dem Platz gestritten und gerne dabei auch mal geschummelt. Dies kommt bei den Profis vor und nicht minder bei Hobbygolfern. Von ausgefeilten Tricks mit zusätzlichen Bällen bis zur Verlegung von Ballstandorten ist die Bandbreite der absichtlichen Verstöße ebenso groß, wie die der unbewussten Regelverletzungen.

Schwierig zu beurteilen sind auch Absprachen unter den Wettspielern, bei denen der Partner durch Geschenke und flexible Auslegung der Regeln Vorteile erhält und das Gleiche vom Mitspieler erwartet. Hier gerät man sehr schnell in den Konflikt zwischen Golfer-Ehre alles richtig zu machen und einer eventuell schlechten Stimmung auf der Runde wegen einer nach Meinung des Mitspielers zu peniblen Beachtung der Regeln. Natürlich gibt es eine Grenze zwischen Regeltreue und Genauigkeit auf der einen Seite und Schikane auf der anderen Seite. Auch die oft vorgebrachte Meinung, dass zwei Klassen von Regeln existieren, wobei eine Gruppe unbedingt beachtet werden muss, die andere aber nach einem bestimmten Verständnis von Fair-Play nicht zur Anwendung kommt, ist unzulässig.

Um entscheiden zu können, ob eine Regel zur Anwendung kommt oder nicht, ist daher die genaue Kenntnis des aktuellen Regelwerks unbedingt notwendig. Es macht nicht nur das Spielen angenehmer, wenn man strittige Situationen schnell richtig beurteilen kann, es wird Ihnen auch immer wieder Vorteile auf dem Flight bringen, weil Sie wissen welche Alternativen Sie haben. Als Regelexperte fällt es Ihnen leichter, bei strittigen Tatsachenentscheidungen die richtigen Regeln zu zitieren und so von vorne herein Reibereien zu verhindern.

Um in der Regelkunde voran zu kommen gibt es neben dem Standardwerk, dem Regelbuch, zahlreiche Bücher, die die z.T. trockene Materie auflockern. Erkundigen Sie sich auch bei Ihrem Club, ob Regelabende mit einem Regelquiz durchgeführt werden.

Wenn Sie sich also bei Ihrer nächsten Golfrunde mit der Frage konfrontiert werden, ob Sie den Schläger auf einer Grasinsel im Sandbunker aufsetzen dürfen oder nicht, kann Ihnen dafür niemand einen Strafschlag aufbrummen. Denn dann wissen Sie, eine mit Gras bewachsene Stelle im Bunker ist nicht Bestandteil desselben und daher dürfen Sie den Schläger aufsetzen.