Der Kopf spielt mit

Kopfsache - der Kopf spielt mit


Dass Erfolg beim Golfen nicht nur von Schlagtechnik und physischen Voraussetzungen abhängig ist, scheint unbestritten. Wie viel Einfluss die Psyche aber tatsächlich hat, überrascht immer wieder. Bei vielen Golfern sehen die Schläge im Training wie im Bilderbuch aus. Die Abschläge landen weit über 200 Meter auf der Fairwaymitte, die Annäherungsschläge gelingen mit einer unübertroffenen Leichtigkeit und die Putts fallen mit unbeschreiblicher Sicherheit.

Steht jedoch ein Turnier an, sieht es ganz schnell anders aus. Die Mitspieler lenken ab und setzen unter Druck. Das Spiel steht unter Beobachtung und ab jetzt zählt jeder Schlag. Unter diesen Voraussetzungen schwindet bei vielen Spielern die Konzentration, bei anderen kommt sogar noch die Angst vor dem Versagen dazu. Dies wiederum führt zu falschen Entscheidungen und motorischen Fehlleistungen in Form gehemmter, unkoordinierter Bewegungen und schließlich Verkrampfung.

In dieser Situation fliegen dann die Bälle schnell mal ins Rough, statt auf der Bahn zu landen. Die Annäherungsschläge versinken im Sandbunker und schon ist das Chaos perfekt. Wie jetzt ohne zu viele Schläge aus dem ungeliebten Bunker herauskommen? Was denken die anderen und ist der Score dieser Runde schon nicht mehr zu retten? Wenn negative Gedanken vorherrschen, wirkt sich das auch bei den folgenden Löchern nachteilig aus.

Um sich auch emotional als Golfspieler weiterzuentwickeln ist ein Training des mentalen Bereichs wichtig. Top-Sportler bedienen sich immer häufiger der Hilfe von Sport-Psychologen. Ziel der Zusammenarbeit ist die Schaffung einer positiven Einstellung des Spielers gegenüber den eigenen Fähigkeiten, fremden Anforderungen und Personen. Mithilfe verschiedener Techniken wird an der eigenen Wahrnehmung gearbeitet. Nicht „Du brauchst keine Angst haben, es kann Dir nichts passieren“ soll im Kopf sein, sondern „Versuch es, es wird Dir Spaß machen“ oder „Du kannst was, Du bist besser als die anderen“.

Einige Golfer haben auch schon Hypnosetechniken eingesetzt, um  sich den idealen Schwung, Selbstvertrauen und Siegeswillen vermitteln zu lassen. Die Ergebnisse waren bislang aber eher nicht überzeugend, da die Bewegungsmuster im Golfsport wohl zu komplex sind. Auch fernöstliche Meditationstechniken und Yoga-Übungen werden gerne eingesetzt, um die Konzentration zu stärken. Wichtig ist auch das Zusammenspiel mit stärkeren Spielern, um von denen zu lernen und angespornt zu werden. Die positivste Einstellung zum eigenen Können hilft aber wenig, wenn das technische Vermögen nicht adäquat gefördert wird und sich entsprechend entwickelt.

Durch immer mehr Training wird dabei aber keinesfalls die Psyche zwangsläufig verbessert. Die Monotonie des Trainings auf dem Platz sollte insofern vermieden werden. Der Sportler tut gut daran, den Wettkampf als Herausforderung, nicht als Bedrohung zu sehen. Gelingt dies, so können die Turnierleistungen sogar die Trainingsergebnisse übertrumpfen.